Allergologie

Die Allergologie befasst sich mit einer der relativ jungen, aber zunehmend wichtigen Volkskrankheiten, den Allergien. Allergische Reaktionen sind bekannt bei Blütenpollen, Hausstaubmilben, Lebensmitteln, Reinigungsmitteln und vielem mehr. 

Allergien in der HNO-Heilkunde

Im HNO-Gebiet beobachten wir eine stark zunehmende Häufung von Erkrankungen mit einer allergischen Ursache.

Daher ist ein weiterer Schwerpunkt unserer Praxis in Darmstadt die Erkennung und Behandlung von Allergien. Nicht selten sind speziell Kinder und Jugendlichen von Allergien betroffen, somit ist es unser besonderes Anliegen, nicht nur bei Erwachsenen, sondern gerade bei unseren pädiatrischen Patienten möglichst frühzeitig Allergien zu erkennen und zu behandeln. Die Allergologie ist ein fachübergreifendes Gebiet. Vor diesem Hintergrund arbeiten wir in enger Abstimmung interdisziplinär mit Kollegen aus anderen Fachgebieten (Kinderheilkunde, Dermatologie Lungen- und Bronchialheilkunde). Unser primäres Anliegen ist, Spätfolgen und Einschränkungen der Lebensqualität unserer Patienten möglichst zu vermeiden.

Wie äußern sich Allergien?

Kennen Sie das?

Die Nase läuft ständig. Oder sie fühlt sich verstopft an (tatsächlich ist sie zugeschwollen).

Sie bekommen kaum Luft.

Ständig müssen Sie niesen.

Im Hals kratzt es.

Die Augen brennen und sind geschwollen, sie tränen und jucken.

Auf der Haut bildet sich ein Ausschlag mit Quaddeln – Juckreiz und Rötung größerer Hautpartien.

Es ist sehr anstrengend, Allergiker zu sein. Je nach Ursache können Probleme das ganze Jahr über auftreten, nicht nur in der Zeit des Pollenfluges (sogenannte saisonale Allergie). Zum Beispiel bei Milbenallergie kann es über das Jahr zu nächtlichen Beschwerden durch eine Schwellung der Nasenschleimhaut kommen (nicht-saisonale oder perenniale Allergie).

Die Symptome einer Allergie sind im Hinblick auf das Ausmaß und Schwere sehr unterschiedlich. Sie können klinisch stumm bis hin zu schwerwiegend und in manchen Fällen sogar lebensbedrohlich sein. Auch können der Zeitpunkt und die Dauer von Allergien, je nach Auslöser, sehr unterschiedlich sein. Wir unterscheiden oft zwischen saisonalen und ganzjährig auftretenden Allergien.
Sie können zum Beispiel Ursache von Schwellungen im Bereich der Schleimhäute der oberen und unteren Luftwege (z.B. Heuschnupfen, Asthma), aber auch im Mundbereich (Lippen, Zunge) sein.

Im Bereich der Augen können sie Entzündungen der Bindehaut (Konjunktivitis) hervorrufen.

Im Bereich der Haut machen sich Allergien beispielsweise als plötzlich juckende Quaddeln (Urtikaria), oder Ekzeme (allergiebedingte Kontaktdermatitis) bemerkbar.
Allergien können aber durchaus auch Ursache von lebensbedrohlichen Zuständen und akuten Notfällen (allergischer Schock) sein. Eine Reihe von Beschwerden wie eine behinderte Nasenatmung, die Unverträglichkeit von bestimmten Nahrungsmitteln, eine unklare Neigung zu Infekten, Magen- und Darmbeschwerden und vieles mehr können mit Allergien vergesellschaftet sein.

Warum reagiert der Körper so?

Eine allergische Reaktion ist eine überschießende Aktivität des Immunsystems.
Die immunologischen Zusammenhänge sind sehr komplex, daher wird die Thematik hier nur anschaulich und kurz dargestellt:

Das Immunsystem soll Angreifer abwehren

Ohne ein potentes Immunsystem ist unser Leben gefährdet. Täglich attackieren uns Tausende von Viren, Bakterien, Schadstoffen und Keimen. Das Immunsystem eines gesunden, ausgeglichen ernährten und einigermaßen ausgeschlafenen Menschen kommt mit diesen Angriffen klar.
Doch manchmal neigt unser Immunsystem zu einer Überreaktion.

Was passiert, wenn sich das Immunsystem täuscht?

Bei Allergikern gerät das Immunsystem zeitweise außer Kontrolle und führt Krieg gegen – niemand. Eine harmlose Substanz, z. B. Blütenpollen, wird versehentlich als gefährlicher Angreifer eingeordnet. Und entsprechend attackiert.

Was soll man tun? Soll man sich mit einer Allergie abfinden?

Zum Glück gibt es heute gute Möglichkeiten, den Ursprung der Allergie, also den vermeintlichen, aber ungefährlichen „Feind“ des Organismus (das Allergen) zu finden.

Wie diagostiziert der HNO-Arzt eine Allergie?

  • Prick-Tests
  • I.C.-Tests
  • Nasale Provokationen
  • Rhinomanometrien
  • Blutuntersuchungen (RAST-Test, IgE-Bestimmung)

Wir bieten in unserer Praxis sowohl den Pricktest, als auch die nasale Provokation und die Messung des nasalen Luftwiderstandes mittels der Rhinomanometire an. Die Antikörperbestimmung veranlassen wir bei konkreten Fragestellungen in einem Fremdlabor.

Die in unserer Praxis am häufigsten angewendete Methode ist der sogenannte Haut- bzw. Pricktest.

Hierbei werden geringe Mengen von Extrakten eines allergieauslösenden Stoffes (Allergens) auf die Haut im Bereich der Unterarme aufgetragen. Durch eine sehr feine Lanzette das Extrakt nach dem Auftragen in die Oberhaut eingebracht. Zur Kontrolle Vergleich werden sowohl eine Positiv- (Histamin-), als auch eine Negativ-Kontrolle (wirkstofffreie Substanz) ebenfalls aufgetragen. Nach 15- 20 Minuten wird die Testreaktion (Umfang der Rötung der Haut und Größe eines Quaddels) abgelesen.

Nasale Provokation

Die nasale Provokation ist eine sehr sinnvolle Maßnahme zur Diagnostik von sogenannten Inhalationsallergien mit Beteiligung der oberen Luftwege. Hierbei werden geringe Mengen der aus der Umwelt inhalierten Stoffes unter kontrollierten Bedingungen in die vordere Nasenschleimhaut eingebracht. In erster Linie werden klinische Parameter (Niesreiz, Schwellung der Schleimhäute, Tränenlaufen, Fließschnupfen u.a.) erfasst und dokumentiert. Vor dem Anbringen des Allergens und im Anschluss daran wird der Strömungswiderstand der Ein- und Ausatemluft durch die Nase gemessen (Rhinomanometrie). Dies ist eine wertvolle Untersuchungsmethode, um das Ausmaß der nasalen Obstruktion durch den allergischen Reiz zu erfassen und zu analysieren. Unsere Praxis verfügt über aktuell einer der modernsten Rhinomanometrie-Geräte.

Labortest / Antikörperbestimmung

Bei bestimmten Fragestellungen werden allergie-spezifische Antikörper (spezifische IgE-Antikörper) im Blut nachgewiesen. Der Nachweis und die Konzentration der spezifischen Antikörper geben Auskunft über das Vorhandensein und Ausmaß der Allergie.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Allergiker?

Allergie-Karenz / Vermeidung der Aussetzung zum Allergen

Der einfachste Schutz bietet die Allergiekarenz an. Das ist zwar sehr leicht gesagt, im praktischen Alltag ist es jedoch nicht immer möglich, sich zum Beispiel Pollen, Hausstaub oder anderen Umweltstoffen nicht auszusetzen. Die Methode der Karenz bzw. der Allergievermeidung wird jedoch in die therapeutischen Überlegungen aufgenommen. Ein sehr guter Beispiel hierfür ist die Anwendung von spezieller Bettwäsche bei Milbenallergie („Encasing“) oder das Aufsuchen und die Eradikation von Schimmelpilzen in Gebäuden.

Medikamentöse und symptomatische Behandlung:

Bei der rein symptomatischen Behandlung kommen antiallergische Medikamente und Steroide zum Einsatz um die allergische Antwort und die Beschwerden abzumildern. Die eigentliche Ursache der Allergie wird jedoch hierbei nicht behandelt. Die Medikamente sind trotzdem sinnvoll, da sie das Auftreten von allergischen Symptomen mildern oder verhindern können. Viele antiallergische Medikamente sind sogar rezeptfrei erhältlich. Diese sind jedoch nur für eine Kurzzeitbehandlung vorgesehen und sollten ohne ärztlichen Rat nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Antihistaminika stellen eine der oft verwendeten Wirkstoffgruppen dar. Nicht selten sind sie mit unerwünschten Nebenwirkungen wir zum Beispiel Müdigkeit und Schläfrigkeit verbunden.

Antiallergika werden je nach Ausmaß und Schwere der Allergie in unterschiedlichen Formen (z.B. Tabletten, Tropfen, Nasenspray, Inhalationsspray) zu unterschiedlichen Zeiten (akut bei Bedarf, im Voraus als prophylaktisch oder als dauerhafte Einnahme) verabreicht. Man darf nicht außer Acht lassen, dass diese Medikamente zwar hilfreich sein können, aber nicht zu einer permanenten Heilung führen können.

Die Hyposensibilisierung – SPEZIFISCHE IMMUNTHERAPIE:

Die sogenannte Hyposensibilisierung ist in der Regel eine der wichtigsten Therapiemaßnahmen zur „Heilung“ von klinisch relevanten Allergien. Einfach ausgedrückt, fährt die Hyposensibilisierung (von griechisch „hypo“ = „unter“) die überschießende Reaktion des Immunsystems auf das Allergen herunter.
Bei der Hyposensibilisierung, in der Fachsprache auch als spezifische Immuntherapie bezeichnet, wird das spezifische Allergen schrittweise in zunehmender Konzentration entweder unter die Haut gespritzt (=SCIT= Subkutane Immuntherapie) oder mittels Tabletten oder Tropfen im Mund unter der Zunge verabreicht (SLIT=Sublinguale Immuntherapie).

Was wird mit Hyposensibilisierung erreicht?

Einfach ausgedrückt: die spezifische Immuntherapie sorgt dafür, dass nicht mehr Heerscharen von Antikörpern in den Krieg gegen das Allergen ziehen. Das Immunsystem gewöhnt sich an dem Allergen und bewertet den Stoff so, wie er ist: als harmlos. Es ist eine Art „Gewöhnungstherapie“ mit dem Ziel, die krankhaften allergischen (Über-) Reaktionen einzudämmen und langfristig eine Reduktion der Beschwerden und eine Verbesserung der Lebensqualität herbeizuführen.

Wie lange dauert eine Hyposensibilisierung?

Bei der spezifischen Immuntherapie ist oft Ausdauer gefragt. Bei der langfristigen Hyposensibilisierung dauert die Behandlung in der Regel 3 Jahre bzw. 36 Monate. Sie ist in vielen Fällen auch heute die Therapieform der Wahl für Allergien, wenn man eine Heilung anstrebt. Sie erfordert daher eine hohe Disziplin. Auf der anderen Seite werden die Betroffenen durch anhaltende Symptommilderung bzw. Symptomfreiheit und eine Besserung der Lebensqualität belohnt.

Für welche Therapieform sollte ich mich entscheiden?

Diese Frage lässt sich am besten unter der Berücksichtigung der individuellen Besonderheiten und der zugelassenen Behandlungsmöglichkeiten beantworten. Bei manchen Patienten kann man für ein allergen-freies Umfeld sorgen.

In milderen und sporadischen Fällen können bei Bedarf Medikament zum Einsatz kommen. Für einige Allergene sind sowohl die SCIT (subkutane -), als auch die SLIT (sublinguale Immuntherapie) zugelassen.

Welche Form man dann auswählen sollte, hängt wiederum von Faktoren wie Disziplin, Lebensumständen und nicht zuletzt persönlichen Vorzügen ab.

Die spezifische Immuntherapie wird stetig erweitert und verbessert. Zum Beispiel wurde bis vor ein paar Jahren die Hyposensibilisierung gegen Baumpollen und Gräser traditionell im Herbst begonnen. Hintergrund war die vorherrschende Meinung, dass der Körper durch die fliegenden Pollen nicht zusätzlich belastet werden sollte.

Moderne Präparate sind mittlerweile besser verträglich und können bei Pollenallergie unabhängig von Jahreszeit und Pollenflug eingesetzt werden Manchmal hat man auch Vorteile, Frühjahr mit der Therapie zu beginnen.

Das Immunsystem hat dann bis zum Pollenflug der nächsten Saison deutlich länger Zeit, sich an das Allergen zu gewöhnen und die Beschwerden können bereits im zweiten Jahr der Therapie deutlich abgemildert werden.